Der heute über 100 jährige Theaterverein gehört in die Riege der ältesten „Theatervereine" des Landkreises Bernkastel-Wittlich. Er blickt stolz auf diese lange Tradition zurück.
Wie kam es zur Gründung des Vereins?
In den Anfängen des 20. Jahrhunderts, zu Kaiser Wilhelms Zeiten, trafen sich öfter gestandene Reiler Männer zu urigen Kellerdebatten. Man kam bei diesen Treffen zu dem Ergebnis, daß Reil einen Karnevalsverein brauchte, um die kulturellen Ereignisse des heimatlichen Ortes auf "Weltniveau" zu bringen. Infolgedessen wurde im Jahre 1912 unser Verein gegründet, der, wie es damals üblich war, nur aus Männern bestand.
Doch die anfängliche Euphorie der Mitglieder des noch jungen Vereins wurde mit Beginn des 1. Weltkrieges 1914 gebremst. Bis zum Kriegsende 1918 ruhten alle Aktivitäten. Erst 1921 traten die Reiler wieder im Karneval auf.
Der 22. April 1924 war für den Verein ein historisches Datum. Es kam zu einem entscheidenden Umbruch. Man beschloß, das kulturelle Angebot der Gemeinde mit einer alljährlichen Theaterinszenierung zu vergrößern. Ebenfalls entschied man sich für den offiziellen Vereinsnamen „Theaterverein Moselblümchen Reil/Mosel".
Die erste Aufführung mit dem Titel „Der Glockengruß zu Breslau", fand am 24. Mai 1924 statt. Die durch die Veranstaltung eingespielten 171 Goldmark wurden der Katholischen Pfarrgemeinde Reil zur Verfügung gestellt.
Das Vereinsleben stand im Mittelpunkt der Ortsgeschehnisse, da man im Gegensatz zur heutigen Zeit weniger mobil war und sich eben alles im Dorf abspielte. Welchen Stellenwert die Vereine damals hatten und mit welchem Ernst sie geführt wurden, spiegelt ein Auszug aus der Vereinssatzung des Theatervereins von 1924 wider:
"Die aktiven Mitglieder sind verpflichtet jede Versammlung zu besuchen. Entschuldigungen werden nur von Vorstandsmitgliedern entgegengenommen und müssen triftige Gründe haben. Fernbleiben ohne Entschuldigung wird mit 1,00 Mark bestraft und er wird vom Vorstand zur Rechenschaft gezogen und das kann eventuell die Überschreibung zum inaktiven Mitglied zur Folge haben".
Im Jahre 1933 kam es zum ersten Umzug in unserer Geschichte. Aus Platzgründen zog der Theaterverein in das (noch heutige) Vereinslokal „Kehne". Auf größerer Bühne im neuen Saal, der noch weitere 54 Jahre lang Rahmen des Reiler Theaterspiels bleiben sollte, gelangte das Drama „Mutterleid im Bettlerkleid" zur Aufführung.
Die Truppe agierte in den nächsten Jahren mit immer größer werdendem Erfolg, bis 1939 mit Ausbruch des 2. Weltkrieges abermals alle Aktivitäten zum Erliegen kamen.
Erst im Jahre 1946 begann wieder das Vereinsleben, denn Abwechslung vom Alltag war sehr wichtig. So wurde beschlossen, dem in der Regel tränenreichen Drama erstmals zusätzlich einen lustigen Einakter („Das geprellte Kleeblatt") hinzuzufügen, um den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen.
1948 fand die offizielle Widergründung des Theatervereins mit Genehmigung der französischen Militärregierung statt. Infolgedessen fanden in Reil immer öfter Veranstaltungen unter der Federführung unseres Vereins statt, wie Kappensitzungen, Fastnachtsumzüge und Maskenbälle.
In den folgenden Jahren verlief alles wie gewohnt. Erst im Jahr 1978 kam es zu einer grundlegenden Veränderung. Man warf alle sittlichen Bedenken der Gründerväter über Bord und ließ im Zuge der Frauenemanzipation endlich die Damen als offizielle Vereinsmitglieder zu. Mit der >Frauen-Power< kam neuer Schwung in den Verein. So wurde als erstes das Drama verbannt. Ab jetzt gelangten zeitgemäße lustige Dreiakter auf die Bühne.
1986 entschied man sich, um Nachwuchssorgen zu trotzen, ein Jugendtheater aufzuführen. Zum ersten Mal standen nur Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Nach großem Erfolg wurde die Veranstaltung 1987 wiederholt. Viele der jungen Akteure gehören heute noch zu dem aktiven Kreis der Laienspieler.
Mit dem Erfolg des Vereins wuchsen auch die Mitglieder- und Zuschauerzahlen. So kam es dann 1988 zum >Aus< für unseren Kehne-Saal, der den Anforderungen einfach nicht mehr entsprach. Wir zogen um in die Reiler Turnhalle. Mit dem Stück >Zwei programmierte Schlitzohren< begann ein atemberaubender Anstieg der Zuschauerzahlen, der bis zum heutigen Datum anhält.
Seit 1990 fördern wir die moselfränkische Mundart und führen alle Stücke in "Reyla Platt" auf.
Viele junge und ältere Zuschauer freuten sich 1997 über ein weiteres Jugendtheater im Rahmen unseres 85-jährigen Vereinsjubiläums.
Der Erfolg unserer Vereinsarbeit erlaubte es uns, ein außergewöhnliches, kulturelles Projekt in Angriff zu nehmen. Die aus dem siebzehnten Jahrhundert stammenden und vom Zerfall bedrohten "7 Fußfälle" konnten mit erheblichem ehrenamtlichen und finanziellen Aufwand restauriert bzw. nachgebildet werden. Dieses Projekt wurde innerhalb von 5 Jahren verwirklicht. Die Einweihung erfolgte im Jahre 2002 mit der feierlichen Einsegnung und Übergabe an die Ortsgemeinde Reil.
In diesem Jahr feierten wir auch unser 90-jähriges Jubiläum. Zusammen mit dem Musikverein Reil gestalteten wir die Weinkirmes als 4-tägiges Fest. "Die Vereinsgründung" wurde von den älteren Aktiven, "Ein rettender Reinfall" als Jugendtheater dargeboten. Befreundete Vereine unterhielten das Publikum mit einem Einakter und verschiedenen Sketchen.
Die Zeit bleibt auch bei uns nicht stehen. Seit 2003 präsentieren wir uns mit einem modernen Logo.
In der Spielzeit 2004/2005 erweiterten wir unsere Bühne so, dass unser Publikum einen besseren Einblick in die Kulisse erhält.
Im Sommer 2005 kam es erstmals in Zusammenarbeit mit der Grundschule Reil zu einer Theater-AG. Die Schüler des 3.und 4.Schuljahres führen seitdem Stücke unter der Regie des Theatervereins auf.
Anlässlich der 1000-Jahr Feier unserer Ortsgemeinde im Jahr 2008 entstand die Idee ein historisches Stück aufzuführen. In agriebischer Arbeit wurden Informationen aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eingeholt. So entstand ein Selbstgeschriebenes humorvolles Bühnenstück mit Spielort in Reil. Stolz präsentierten wir mit zwei Bühnenbildern den moselfränkischen Dreiakter "Dieh Reyla Biberte".